Überblick

Der Radarvorfall Lakenheath-Bentwaters ereignete sich in der Nacht vom 13.–14. August 1956 über Ostengland und gilt weithin als einer der stärksten Radar-Sichtungsfälle zu UAP, die von Project Blue Book. An dem Vorfall waren mehrere Radarstationen der Royal Air Force und der United States Air Force, Beobachter am Boden sowie ein Abfangjäger beteiligt; sie alle meldeten über mehrere Stunden ungewöhnliche Flugaktivität.

Zu dieser Zeit RAF Lakenheath und RAF Bentwaters wurden gemeinsam mit der United States Air Force als Teil des NATO-Luftverteidigungsnetzes im Kalten Krieg betrieben. Kurz nach 9:00 Uhr abends erfassten Radaroperatoren auf RAF Bentwaters ein nicht identifiziertes Ziel, das sich schnell über ihre Radarschirme bewegte. In den folgenden Stunden wurden von Radaroperatoren beider Stützpunkte weitere nicht identifizierte Ziele verfolgt; einige zeigten Geschwindigkeiten und Manöver, die für bekannte Flugzeuge jener Zeit ungewöhnlich erschienen.

Die Ereignisse gipfelten darin, dass ein RAF-Nachtjäger vom Typ Venom aufstieg, um einen der Radarkontakte abzufangen. Nach Angaben sowohl der Bodenleitstellen als auch der Flugzeugbesatzung schien das nicht identifizierte Ziel auf die Bewegungen des Abfangjägers zu reagieren, bevor es schließlich vom Radar verschwand.

Gemeldete Merkmale

Die im Verlauf der Untersuchung zusammengestellten Berichte beschrieben mehrere wiederkehrende Merkmale:

  • Mehrere Radarziele, die von getrennten Radaranlagen verfolgt wurden.
  • Objekte mit rascher Beschleunigung und abrupten Richtungsänderungen.
  • Schweben oder langsame Bewegung, gefolgt von plötzlichem Hochgeschwindigkeitsflug.
  • Gleichzeitige Radarerfassungen und Sichtbeobachtungen.
  • Ein Ziel, das Berichten zufolge hinter einem Abfangjäger manövrierte.
  • Keine bestätigte Identifizierung als konventionelles Flugzeug.

Radaroperatoren schätzten, dass sich einige Ziele mit Geschwindigkeiten bewegten, die weit über den für damalige Militärflugzeuge erwartbaren lagen; die genauen Leistungsangaben unterschieden sich jedoch zwischen den Berichten.

Untersuchung

Der Vorfall wurde untersucht von Project Blue Book, mit Unterstützung von Angehörigen der U.S. Air Force, die im Vereinigten Königreich stationiert waren.

Die Ermittler prüften mehrere konventionelle Erklärungen, darunter:

  • Durch atmosphärische Bedingungen verursachte Radaranomalien.
  • Temperaturinversionen.
  • Fehlidentifizierung bekannter Flugzeuge.
  • Astronomische Objekte, die unter ungewöhnlichen atmosphärischen Bedingungen beobachtet wurden.
  • Instrumentenfehler.

Obwohl sich einige Aspekte des Vorfalls möglicherweise durch diese Faktoren erklären ließen, stellten die Ermittler fest, dass keine einzelne Erklärung die Kombination aus Radarverfolgung, Sichtbeobachtungen und Berichten des Abfangjägers abdeckte.

Astronom Dr. J. Allen Hynek, der als wissenschaftlicher Berater von Project Blue Book tätig war, bezeichnete den Lakenheath-Bentwaters-Vorfall später als einen der überzeugendsten Fälle in den Akten des Projekts. Er wies darauf hin, dass die Kombination aus mehreren unabhängigen Radarsystemen, geschultem Militärpersonal und einem versuchten Abfangmanöver den Fall von vielen anderen in dieser Zeit untersuchten Meldungen unterschied.

Historische Bedeutung

Der Lakenheath-Bentwaters-Vorfall bleibt einer der bedeutendsten militärischen Radar-Sichtungsfälle in der Geschichte der UAP-Untersuchungen. Anders als viele Sichtungen, die ausschließlich auf Augenzeugenaussagen beruhten, umfasste das Ereignis sich gegenseitig stützende Beobachtungen von Radaroperatoren, Flugzeugbesatzungen und Bodenpersonal über einen längeren Zeitraum.

Der Fall wurde von Forschern, Historikern und ehemaligen militärischen Ermittlern häufig als Beispiel für einen gut dokumentierten Vorfall angeführt, der sich einer einfachen Erklärung entzog. Zugleich unterstrich er die wachsende Bedeutung von Radardaten bei offiziellen UAP-Untersuchungen im Kalten Krieg.

Bis heute wird der Vorfall in Diskussionen über militärische UAP-Begegnungen angeführt und gilt weiterhin als einer der stärksten von Project Blue Book untersuchten Fälle.

Quellen