UAP-Forschungsprofil

James E. McDonald

Atmosphärenphysiker und wissenschaftlicher UFO-Forscher

  • TitelAtmosphärenphysiker und wissenschaftlicher UFO-Forscher

Überblick

James E. McDonald (1920–1971) war Atmosphärenphysiker an der University of Arizona und wurde in den 1960er Jahren zu einem der bekanntesten wissenschaftlich qualifizierten Befürworter einer erneuten Untersuchung von UFO-Meldungen. Seine Bedeutung liegt nicht nur darin, die Auffassung vertreten zu haben, UFOs verdienten Beachtung. Er betrieb umfangreiche Fallforschung, untersuchte Unterlagen von Project Blue Book, befragte Zeugen, legte dem Kongress und wissenschaftlichen Fachkreisen detaillierte Argumente vor und stellte Erklärungen infrage, die er für physikalisch unzureichend hielt. [S1][S2]

McDonalds wissenschaftliche Qualifikation war erheblich. Er hatte einen PhD in Physik, arbeitete zu Wolkenphysik, Wetterbeeinflussung und Mikrometeorologie und war Professor am Institute of Atmospheric Physics der University of Arizona. Das Universitätsarchiv beschreibt ihn als international anerkannt in seinem Fachgebiet und bewahrt eine große Sammlung von UFO-bezogener Korrespondenz, Fallakten, Kopien aus Project Blue Book, Tagebüchern, Aufzeichnungen und Forschungsmaterial. [S1]

Seine UAP-bezogene Überlieferung verlangt dennoch eine sorgfältige evidenzielle Trennung. McDonald argumentierte, ein kleiner Rest von Meldungen lasse sich nicht angemessen erklären, und hielt eine außerirdische Interpretation für plausibel. Das war seine wissenschaftliche Hypothese, keine durch die ihm verfügbaren Regierungsakten oder physischen Belege festgestellte Schlussfolgerung. Seine historische Bedeutung liegt daher in der Ernsthaftigkeit seiner Kritik an den vorherrschenden Untersuchungsstandards, dem von ihm bewahrten und erneut untersuchten Fallmaterial und der methodischen Debatte, die seine Arbeit auslöste.

Wissenschaftlicher Hintergrund

Laut University of Arizona wurde McDonald 1920 geboren. Er studierte Chemie an der University of Omaha, Meteorologie am Massachusetts Institute of Technology und Physik am Iowa State College, wo er 1951 promovierte. Während des Zweiten Weltkriegs diente er in der U.S. Navy. Später lehrte oder forschte er an mehreren Einrichtungen, bevor er zur University of Arizona wechselte. [S1]

1954 wurde er stellvertretender Direktor des Institute of Atmospheric Physics; von 1956 bis zu seinem Tod 1971 war er Professor. Seine konventionelle wissenschaftliche Arbeit umfasste Wolkenphysik, Wetterbeeinflussung und Mikrometeorologie. Unabhängig von seiner UFO-Forschung veröffentlichte er in den Atmosphärenwissenschaften. [S1]

Dieser Hintergrund ist für mehrere von McDonald untersuchte UFO-Fälle unmittelbar relevant. Atmosphärische Ausbreitung, anomale Radarreflexionen, Wolken, Temperaturinversionen, optische Effekte und meteorologische Bedingungen wurden häufig als Erklärungen ungewöhnlicher Beobachtungen vorgeschlagen. McDonald brachte somit in mindestens einen Teil des Erklärungsraums Fachwissen ein und näherte sich dem Thema nicht nur als allgemeiner Enthusiast.

Dieses Fachwissen machte seine Schlussfolgerungen nicht automatisch richtig. Es führte jedoch dazu, dass Meinungsverschiedenheiten über atmosphärische Erklärungen wissenschaftlich substanziell waren und auf technischer Grundlage geprüft werden konnten.

Entwicklung seiner UFO-Forschung

Das Archiv der University of Arizona datiert McDonalds fortlaufende UFO-Untersuchungen hauptsächlich auf den Zeitraum von 1958 bis 1971. Seine Unterlagen enthalten Korrespondenz mit Regierungs- und Militärvertretern, anderen Wissenschaftlern und Forschenden; Fallakten zu Meldungen aus den USA und dem Ausland; Fotokopien von ungefähr 580 Sichtungsberichten aus Project Blue Book; vier handschriftliche Tagebücher über seine Untersuchungstätigkeit; mehr als 80 Audioaufzeichnungen; sowie umfangreiches Forschungsmaterial. [S1]

Dieses Archiv ist wichtig, weil es zeigt, dass McDonalds Tätigkeit nicht auf öffentliche Vorträge beschränkt war. Er baute einen Forschungsbestand auf, verfolgte Fälle über Zuständigkeitsgrenzen hinweg und verglich Zeugenaussagen mit amtlichen Erklärungen.

Er gelangte zunehmend zu der Auffassung, ein Teil der Meldungen verdiene wesentlich ernsthaftere wissenschaftliche Aufmerksamkeit, als ihm Air Force und breitere Wissenschaftsgemeinschaft schenkten. Die Sammlungsbeschreibung der University of Arizona hält fest, er habe eine außerirdische Hypothese zur Informationsgewinnung für plausibel und offizielle wissenschaftliche Berichte wie den Condon Report für oberflächlich oder unzureichend gehalten. [S1]

Diese institutionelle Beschreibung muss genau gelesen werden. Sie dokumentiert McDonalds Hypothese und Kritik; sie stellt nicht fest, dass die Hypothese zutraf.

Fallbezogene Methode

McDonalds bevorzugte Methode bestand in der intensiven erneuten Untersuchung von Fällen, die seiner Auffassung nach schwer mit konventionellen Erklärungen zu vereinbaren waren. Er suchte ursprüngliche Zeugen auf, rekonstruierte Geometrien, prüfte Wetterinformationen, verglich Radar- und Sichtberichte und suchte in Regierungsakten nach Material, das in Darstellungen aus zweiter Hand fehlte. Seine Erklärung vor dem Kongress von 1968 stellte eine lange Reihe ausgewählter Fälle vor, die aus seiner Sicht Schwächen der Erklärungen der Air Force und den Bedarf an weiterer Forschung veranschaulichten. [S2]

Die Methode hatte eine klare Stärke: Sie ging über allgemeine Argumente hinaus und ermöglichte, bestimmte Erklärungen an den Einzelheiten bestimmter Ereignisse zu prüfen. Sie brachte aber auch ein wichtiges Risiko mit sich. Wer Fälle auswählt, weil sie schwierig erscheinen, kann einen Bestand zusammenstellen, der die Gesamtheit der Meldungen bewusst nicht repräsentiert. Das ist angemessen, wenn die Forschungsfrage lautet: "are there any reports that remain technically puzzling?" Es kann für sich genommen jedoch weder Verbreitung noch allgemeine Art der UFO-Meldungen feststellen.

McDonalds stärkste Arbeit sollte daher Fall für Fall bewertet werden. Dass er eine Schwäche in einer amtlichen Erklärung erfolgreich aufzeigte, bestätigt weder jeden anderen Fall noch seine bevorzugte übergreifende Hypothese.

Das Symposium des Repräsentantenhauses von 1968

Am 29. Juli 1968 veranstaltete das U.S. House Committee on Science and Astronautics ein Symposium über unidentifizierte Flugobjekte. Der offizielle GovInfo-Eintrag weist es als Anhörung des 90th Congress aus und bewahrt die vollständigen Ausschussunterlagen. [S2]

McDonald trat als Senior Physicist am Institute of Atmospheric Physics und Professor im Department of Meteorology der University of Arizona auf. Seine vorbereitete Erklärung stellte zahlreiche Fälle vor, erörterte die Grenzen von Project Blue Book und argumentierte, der Gegenstand sei wissenschaftlich nicht angemessen untersucht worden. [S2][S3]

Das Symposium selbst darf nicht als Feststellung des Kongresses dargestellt werden, UFOs seien außergewöhnlich. Der Ausschussvorsitzende J. Edward Roush rahmte die Veranstaltung als wissenschaftliche Untersuchung offener Fragen und nicht als Verfahren mit vorbestimmtem Ergebnis. Andere Beteiligte vertraten abweichende Auffassungen, darunter Carl Sagan und Wissenschaftler, die bei außergewöhnlichen Interpretationen vorsichtiger waren. [S2]

McDonalds Aussage ist wichtig, weil sie eine detaillierte wissenschaftliche Kritik an der amtlichen UFO-Untersuchung in die formale Überlieferung des Kongresses einbrachte. Ihr evidenzielles Gewicht bleibt jedoch das der Analyse und ausgewählten Fallvorstellung eines Wissenschaftlers und ist keine Zustimmung des Ausschusses zu seinen Schlussfolgerungen.

Kritik an Project Blue Book

McDonald argumentierte, die ungeklärten Fälle von Project Blue Book seien zu leicht verworfen oder schwachen konventionellen Erklärungen zugeordnet worden. Seine Kritik war teils institutionell und teils technisch. Auf institutioneller Ebene glaubte er, dem Programm fehle hinreichende wissenschaftliche Tiefe und es sei stärker auf öffentliche Erklärung als auf ergebnisoffene Untersuchung ausgerichtet. Technisch beanstandete er bestimmte Anwendungen meteorologischer, astronomischer oder radarausbreitungsbezogener Erklärungen, wenn die physikalischen Bedingungen seiner Auffassung nach nicht zum vorgeschlagenen Mechanismus passten. [S2][S4]

Diese Kritik überschnitt sich mit einer breiteren fachlichen Sorge der damaligen Zeit. Das UFO Subcommittee des American Institute of Aeronautics and Astronautics folgerte später, ein kleiner Rest gut dokumentierter ungeklärter Fälle lasse sich schwer ignorieren, und empfahl eine fortgesetzte Arbeit in mäßigem Umfang mit verbesserter Datenerhebung und hochwertiger Analyse. [S5]

Diese Position der AIAA entsprach nicht McDonalds außerirdischer Hypothese. Gerade deshalb ist sie nützlich: Sie zeigt, dass man einem Teil seiner methodischen Kritik zustimmen konnte, ohne seine weitergehende Interpretation zu übernehmen.

Der Condon Report

Das von dem Physiker Edward Condon geleitete und von der U.S. Air Force finanzierte UFO-Projekt der University of Colorado legte 1968–69 seinen Abschlussbericht vor. Condons Zusammenfassung argumentierte, weitere umfangreiche Untersuchungen würden die Wissenschaft wahrscheinlich nicht voranbringen. Der Bericht trug zur späteren Beendigung von Project Blue Book durch die Air Force bei. [S6]

McDonald wurde zu einem der bekanntesten wissenschaftlichen Kritiker der Colorado-Studie. Er argumentierte, das Fallmaterial im Bericht rechtfertige eine derart weitreichende Abweisung nicht, und kritisierte einzelne Fallanalysen – insbesondere dort, wo er atmosphärische oder Radarerklärungen für physikalisch unzureichend hielt. [S1][S4]

Seine Kritik muss in zwei Aussagen getrennt werden. Die erste ist methodisch: War die Gesamtschlussfolgerung des Condon Report im Verhältnis zu dem ungeklärten Material in seinen eigenen Fallstudien angemessen? Auch das UFO Subcommittee der AIAA stellte dies infrage. Es argumentierte, der Inhalt des Berichts könne fortgesetzte wissenschaftliche Neugier rechtfertigen, selbst wenn er kein außergewöhnliches Phänomen feststellte. [S5]

Die zweite Aussage ist erklärender Art: Stützen die ungeklärten Fälle eine außerirdische Interpretation? Das folgt nicht automatisch aus Kritik am Condon Report. Der Nachweis, dass eine vorgeschlagene konventionelle Erklärung nicht ausreicht, lässt den Fall ungeklärt, sofern nicht positive Evidenz eine andere Hypothese stützt. McDonald ging bei der zweiten Aussage bisweilen weiter, als spätere wissenschaftliche Gremien zu gehen bereit waren.

Radarmeteorologie und technische Argumentation

McDonalds Arbeit "Meteorological Factors in Unidentified Radar Returns" von 1970, die er auf der 14th Radar Meteorology Conference der American Meteorological Society vorstellte, ist besonders wichtig, weil sie einen Teil der UFO-Debatte in seinem eigenen Fachgebiet verankerte. [S4][S7] Die Arbeit untersuchte Gruppen von Radarreflexionen, die durch bekannte atmosphärische Mechanismen hervorgerufen werden, und unterschied sie von einer Restgruppe von Meldungen über lokalisierte, scheinbar schnell bewegte Ziele, die seiner Auffassung nach zu leicht anomaler Ausbreitung zugeschrieben worden waren.

Sein Argument lautete nicht, Radarreflexionen stellten automatisch Fluggeräte dar. Es lautete, "anomalous propagation" sei mitunter als allgemeine Erklärung verwendet worden, ohne hinreichend nachzuweisen, dass die dafür erforderlichen atmosphärischen Bedingungen vorlagen.

Dies ist eine wissenschaftlich nützliche Unterscheidung. Radar kann Artefakte, atmosphärische Wellenführung, biologische Reflexionen, Ausbreitungsanomalien und falsche Ziele erzeugen. Eine scheinbar anomale Radarspur erfordert daher eine sorgfältige Analyse von Instrument und Atmosphäre. Dass solche Mechanismen grundsätzlich verfügbar sind, bedeutet jedoch nicht, ein bestimmter Mechanismus erkläre ein bestimmtes Ereignis.

McDonalds Arbeit ist dort am stärksten, wo sie eine fallspezifische physikalische Prüfung verlangt. Am schwächsten ist sie, wenn das Scheitern einer atmosphärischen Erklärung als positive Evidenz für ein außerirdisches Gerät behandelt wird.

Der RB-47-Fall und die AIAA-Veröffentlichung

McDonald untersuchte auch den RB-47-Vorfall vom 17. Juli 1957 erneut, bei dem die Besatzung eines Aufklärungsflugzeugs der Air Force Sicht- und elektronische Beobachtungen eines unidentifizierten Phänomens meldete. Das UFO Subcommittee der AIAA veröffentlichte McDonalds Analyse im Juli 1971 unter dem Titel "UFO Encounter I" in Astronautics & Aeronautics. Die redaktionelle Einleitung vermerkte, das Condon-Projekt habe die richtige Fallakte zunächst nicht finden können und in Teilen seiner Radar- und Wetteranalyse ein falsches Datum verwendet. McDonald fand später einschlägige Akten, korrigierte das Datum und gewann durch Interviews mit der Besatzung zusätzliche Informationen. [S8]

Diese Episode ist wichtig, weil sie einen konkreten Beitrag jenseits der Fürsprache belegt: McDonald identifizierte dokumentarische und chronologische Probleme einer früheren Analyse. Sie veranschaulicht zugleich die Grenzen historischer Fallarbeit. Selbst mit verbesserten Unterlagen lag das Ereignis bereits Jahre zurück. Teile der einschlägigen Instrumentierung waren nicht verfügbar, und die Bewertung hing teilweise von Erinnerungen der Zeugen ab. Die AIAA legte den Fall vor, damit ihre Mitglieder dessen Schwierigkeit beurteilen konnten; sie erklärte nicht, McDonald habe einen bestimmten außergewöhnlichen Ursprung bewiesen. [S8]

"Science in Default"

McDonalds breitere Kritik wurde in seiner allgemein als "Science in Default" bekannten Arbeit zusammengefasst. Sie ging aus Material hervor, das er auf der Tagung der American Association for the Advancement of Science von 1969 vorstellte, und erschien später in UFO's—A Scientific Debate. [S9] Sein zentrales Argument lautete, die Wissenschaftsgemeinschaft habe das Problem weitgehend nicht nach seinem evidenziellen Gehalt untersucht – teilweise wegen Stigma, institutioneller Annahmen und der Abhängigkeit von unzureichenden amtlichen Prüfungen. Dieses Argument ist historisch weiterhin wichtig, weil ähnliche Sorgen um Stigma und Datenqualität Jahrzehnte später in modernen UAP-Debatten erneut auftraten.

Das Vorliegen von Stigma bestätigt die zugrunde liegende Behauptung jedoch nicht. Ein sozial vernachlässigter Gegenstand kann durch konventionelle Mechanismen erklärbar sein; ebenso kann institutionelle Abweisung die Feststellung erschweren, ob eine tatsächliche Anomalie vorliegt. Die angemessene Antwort besteht in besseren Daten und Analysen und nicht in einer Schlussfolgerung aus dem Stigma.

Verhältnis zur außerirdischen Hypothese

McDonald betrachtete eine außerirdische Hypothese zunehmend als plausibelste umfassende Erklärung der stärksten von ihm untersuchten Fälle. Das Archiv der University of Arizona hält diese Position ausdrücklich fest. [S1]

Wissenschaftliches Ansehen und Evidenz für eine bestimmte Erklärung sind getrennte Fragen. McDonalds wissenschaftlicher Status machte sein Urteil historisch bedeutsam. Er verwandelte die außerirdische Hypothese nicht in eine festgestellte wissenschaftliche Schlussfolgerung. Die ihm verfügbare Evidenz bestand hauptsächlich aus Zeugenberichten, Regierungsakten, Radardarstellungen, Fotografien und Fallrekonstruktionen. Er legte weder öffentlich zugängliche geborgene Technologie noch biologische Evidenz oder ein reproduzierbares experimentelles Phänomen vor.

Seine Schlussfolgerung war daher eine Inferenz aus einem Fallbestand und keine unmittelbare Bestätigung der Herkunft.

Evidenzanalyse

McDonalds Beitrag hat drei unterschiedliche Stärken. Erstens baute und bewahrte er ein umfangreiches Forschungsarchiv. Die Sammlung der University of Arizona belegt den Umfang seiner Korrespondenz, Fallarbeit und Beschaffung von Material aus Project Blue Book. Dies ist ein dokumentarischer Beitrag, der unabhängig davon besteht, ob seine Schlussfolgerungen zutrafen. [S1]

Zweitens prüfte er amtliche Erklärungen wiederholt, statt sie lediglich zurückzuweisen. Seine Radararbeit und die RB-47-Analyse zeigen konkrete Versuche, vorgeschlagene Mechanismen mit Meteorologie, Chronologie und Originalakten abzugleichen. [S4][S8]

Drittens brachte er den Gegenstand in wissenschaftliche und parlamentarische Foren, in denen Meinungsverschiedenheiten öffentlich dokumentiert werden konnten. [S2][S9] Die Einschränkungen sind ebenso wichtig.

Seine Forschung konzentrierte sich häufig auf ausgewählte schwierige Fälle und nicht auf eine repräsentative Gesamtheit. Viele Fälle waren bereits historisch, als er sie untersuchte, und verfügten nicht über kalibrierte Instrumentendaten. Zeugenerinnerungen, unvollständige Archive und unsichere Geometrie blieben wesentliche Beschränkungen.

Sobald ein Forscher eine bevorzugte Hypothese übernimmt, besteht außerdem ein Risiko des Bestätigungsfehlers. McDonalds wachsende Unterstützung für eine außerirdische Interpretation bedeutet, dass bei seinen späteren Arbeiten zu prüfen ist, ob konkurrierende Hypothesen evidenziell gleich behandelt wurden. Das ist kein Grund, die Arbeit abzuweisen, sondern eine übliche Voraussetzung wissenschaftlicher Bewertung.

Was gesichert ist

  • McDonald war Atmosphärenphysiker an der University of Arizona und verfügte über anerkannte konventionelle wissenschaftliche Qualifikationen. [S1]
  • Von Ende der 1950er Jahre bis 1971 führte er kontinuierlich UFO-Forschung durch. [S1]
  • Sein Archiv enthält umfangreiche Korrespondenz, Fallakten, ungefähr 580 kopierte Berichte aus Project Blue Book und mehr als 80 Audioaufzeichnungen. [S1]
  • 1968 legte er dem House Committee on Science and Astronautics eine detaillierte UFO-Analyse vor. [S2]
  • Er kritisierte Project Blue Book und den Condon Report öffentlich aus methodischen und fallspezifischen Gründen. [S2][S4]
  • 1970 stellte er auf einer Tagung der American Meteorological Society eine Arbeit zur Radarmeteorologie vor. [S4][S7]
  • Seine erneute Untersuchung des RB-47-Falls von 1957 deckte Dokumentations- und Datumsprobleme in der Behandlung durch das Condon-Projekt auf und wurde von der AIAA veröffentlicht. [S8]
  • Er hielt eine außerirdische Hypothese für plausibel und bevorzugte sie zunehmend für die stärksten Fälle. [S1]

Was nicht gesichert ist

  • McDonalds wissenschaftliche Qualifikation stellt nicht fest, dass seine bevorzugte außerirdische Hypothese zutraf.
  • Der Nachweis einer schwachen amtlichen Erklärung stellt keine bestimmte alternative Erklärung fest.

Gesamtbewertung

James E. McDonald ist historisch bedeutsam, weil er in den 1960er Jahren für einen der stärksten Versuche stand, die wissenschaftliche Angemessenheit amtlicher UFO-Untersuchungen aus einer einschlägigen naturwissenschaftlichen Disziplin heraus infrage zu stellen.

Sein Beitrag bestand nicht einfach darin, manche Meldungen für außergewöhnlich zu halten. Er baute ein Forschungsarchiv auf, befragte Zeugen erneut, untersuchte staatliche Fallakten, prüfte atmosphärische Erklärungen und legte dem Kongress sowie wissenschaftlichen Organisationen ausführliches Material vor. Bei bestimmten Fällen wie dem RB-47-Vorfall deckte seine Arbeit konkrete Fehler oder Auslassungen früherer Analysen auf.

Die weitreichendste Schlussfolgerung, die er aus dem Material zog – dass eine außerirdische Interpretation die Restfälle am besten erkläre –, wurde zugleich nicht durch unmittelbare physische Evidenz festgestellt. Seine wissenschaftliche Qualifikation verleiht diesem Urteil historisches Gewicht, aber keine automatische Gültigkeit.

McDonalds Arbeit ist am nützlichsten, wenn sie als methodische Herausforderung behandelt wird. Er zeigte, dass schwache amtliche Erklärungen nicht allein deshalb akzeptiert werden sollten, weil sie konventionell sind, und dass eine ungeklärte Beobachtung ungeklärt bleiben sollte, wenn die Daten keine Identifizierung erlauben. Derselbe Massstab gilt für außergewöhnliche Interpretationen.

Seine langfristige Bedeutung ist daher zweifach. Er bewahrte eine wichtige historische Fallüberlieferung und verbesserte den Zugang zu ihr; zudem formulierte er eine Kritik, die für die moderne UAP-Forschung relevant bleibt: Die Qualität der Schlussfolgerung kann die Qualität der Daten nicht übersteigen. Wo Daten unvollständig sind, kann wissenschaftliche Redlichkeit weder Abweisung noch außergewöhnliche Zuschreibung, sondern fortbestehende Unsicherheit verlangen.

Vertrauen nach Aussage

AussageVertrauenGrundlage
McDonald war ein qualifizierter Atmosphärenphysiker an der University of ArizonaHochUniversitätsarchiv
Er betrieb umfangreiche Fall- und Archivforschung zu UFOsHochUniversitätsarchiv und veröffentlichte Arbeiten
Er legte dem UFO-Symposium des Repräsentantenhauses von 1968 seine Analyse vorHochOffizielles Anhörungsprotokoll bei GovInfo
Er identifizierte echte Analyse-/Dokumentationsprobleme in manchen früheren FallbehandlungenHoch für bestimmte FälleAIAA-Veröffentlichung und Radararbeit
Seine bevorzugte außerirdische Hypothese war wissenschaftlich festgestelltNiedrigInferenz aus ungeklärten Fällen; keine unmittelbar bestätigende Evidenz
Jeder von ihm als ungeklärt betrachtete Fall ist auch nach späteren Analysen weiterhin ungeklärtNiedrig–mittelMuss Fall für Fall geprüft werden
Seine breitere Kritik, amtliche Untersuchungen hätten teilweise unter Daten- und Methodenproblemen gelittenMittel–hochDurch bestimmte Beispiele und spätere Bedenken der AIAA gestützt
Quellen

[S1] Primäres institutionelles Archiv — University of Arizona Libraries, Special Collections. "James E. McDonald papers," MS 412. https://lib.arizona.edu/special-collections/collections/james-e-mcdonald-papers

[S2] Primärquelle — U.S. Government Publishing Office / House Committee on Science and Astronautics. Symposium on Unidentified Flying Objects, 29. Juli 1968, 90th Congress. https://www.govinfo.gov/app/details/CHRG-90hhrg97818/CHRG-90hhrg97818

[S3] Primärerklärung — James E. McDonald. "Statement on Unidentified Flying Objects," beim Symposium des Repräsentantenhauses am 29. Juli 1968 eingereicht. Archivierte PDF-Kopie. https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Statement_on_Unidentified_Flying_Objects_by_James_E._McDonald.pdf

[S4] Primäre technische Arbeit — James E. McDonald. "Meteorological Factors in Unidentified Radar Returns," 14th Radar Meteorology Conference, American Meteorological Society, 17–20. November 1970. https://www.project1947.com/shg/articles/metfac70.html

[S5] Nachweis eines Berufsverbandes — UFO Subcommittee des American Institute of Aeronautics and Astronautics. "UFO: An Appraisal of the Problem," Astronautics & Aeronautics, November 1970. Bibliografische Zusammenfassung im Bericht des Congressional Research Service The UFO Enigma. https://digital.library.unt.edu/ark:/67531/metadc993849/m2/1/high_res_d/76-52SP_1976march9.pdf

[S6] Primäre Auftragsstudie — University of Colorado / U.S. Air Force. Scientific Study of Unidentified Flying Objects (Condon Report), 1968–69. Archivtranskription des NCAS einschließlich Zusammenfassung und Schlussfolgerungen. https://condon.ncas.org/text/contents.htm

[S7] Bibliografischer Nachweis — American Meteorological Society. Preprints, 14th Radar Meteorology Conference (1970), mit McDonalds Arbeit. https://books.google.com/books/about/Preprints_Radar_Meteorology_Conference.html?id=dMARAQAAIAAJ

[S8] Fachveröffentlichung — AIAA UFO Subcommittee / James E. McDonald. "UFO Encounter I: Sample Case Selected by the UFO Subcommittee of the AIAA," Astronautics & Aeronautics, Juli 1971. https://www.nicap.org/papers/AIAA_rep1.pdf

[S9] Wissenschaftlicher Symposiumsband — Carl Sagan und Thornton Page, Hrsg. UFO's—A Scientific Debate, Cornell University Press, 1972, mit Material aus dem AAAS-Symposium von 1969, darunter McDonalds "Science in Default". https://books.google.com/books/about/UFO_s_a_Scientific_Debate.html?id=Z5pTAAAAMAAJ