Überblick
Das Advanced Aerospace Weapon System Applications Program (AAWSAP) wurde 2007 von der U.S. Defense Intelligence Agency (DIA) eingerichtet, um neu entstehende Luft- und Raumfahrttechnologien sowie potenzielle künftige Bedrohungen zu untersuchen. Obwohl das Programm später eng mit unidentifizierten Luftphänomenen (UAP) in Verbindung gebracht wurde, war sein ursprünglicher Aufgabenbereich deutlich breiter und umfasste eine Vielzahl fortschrittlicher Luft- und Raumfahrtkonzepte sowie unkonventioneller Technologien.
Viele Jahre lang blieb AAWSAP der Öffentlichkeit weitgehend unbekannt. Seine Existenz wurde erst infolge von Medienrecherchen ab 2017 breiter bekannt; in den folgenden Jahren wurden durch Interviews, deklassifizierte Dokumente und Regierungsberichte weitere Einzelheiten öffentlich.
Heute gilt AAWSAP als das erste bedeutende Programm der US-Regierung in der modernen Ära, das nach der Einstellung von Project Blue Book im Jahr 1969 UAP-bezogene Informationen systematisch untersuchte.
Hintergrund
Mitte der 2000er Jahre wuchs in Teilen der US-Verteidigungs- und Nachrichtendienstgemeinschaft die Sorge, ausländische Gegner könnten fortschrittliche Luft- und Raumfahrtfähigkeiten entwickeln, die über die vorhandene US-Technologie hinausgingen.
Als Reaktion darauf richtete die Defense Intelligence Agency (DIA) AAWSAP ein, um Folgendes zu untersuchen:
- Neu entstehende Luft- und Raumfahrttechnologien.
- Fortschrittliche Antriebskonzepte.
- Künftige Waffensysteme.
- Neu entwickelte Verteidigungstechnologien.
- Berichte über unidentifizierte Luftphänomene, sofern sie verteidigungsrelevante Auswirkungen haben könnten.
Die Finanzierung des Programms wurde durch Mittelbewilligungen des Kongresses unterstützt, für die sich Senator Harry Reideinsetzte, unterstützt von den Senatoren Daniel Inouye und Ted Stevens.
Organisation und Vertrag
Die DIA vergab den primären Forschungsvertrag an Bigelow Aerospace Advanced Space Studies (BAASS), eine Tochtergesellschaft von Bigelow Aerospace.
Unter der Leitung von Robert Bigelow stellte BAASS Wissenschaftler, Ingenieure, Nachrichtendienstanalysten und ehemalige Militärangehörige für die Forschungsarbeit zusammen.
Das Programm sammelte Berichten zufolge:
- Militärische Zeugenberichte.
- Daten zu Luftfahrtvorfällen.
- Wissenschaftliche Literatur.
- Bewertungen ausländischer Luft- und Raumfahrtfähigkeiten.
- Technische Studien zu theoretischen fortschrittlichen Technologien.
AAWSAP gab außerdem Dutzende wissenschaftliche Referenzpapiere zu Themen wie fortschrittliche Antriebe, gerichtete Energie, Materialwissenschaft und theoretische Luft- und Raumfahrtkonzepte in Auftrag.
Verhältnis zu AATIP
Mehrere Jahre lang wurde das Verhältnis zwischen AAWSAP und dem späteren Advanced Aerospace Threat Identification Program (AATIP) vielfach missverstanden.
Spätere Untersuchungen und offizielle Stellungnahmen haben klargestellt:
- AAWSAP begann zuerst, im Jahr 2007, als breit angelegtes DIA-Programm.
- AATIP entstand später und konzentrierte sich gezielter auf militärische UAP-Vorfälle.
- Obwohl sich die beiden Programme bei Personal und Themen überschnitten, waren sie nicht identisch.
Diese Unterscheidung ist für historische Analysen moderner UAP-Untersuchungen zunehmend wichtig geworden.
Öffentliche Offenlegung
AAWSAP blieb der Öffentlichkeit aufgrund seiner Geheimhaltung verborgen, bis Berichte von The New York Times im December 2017 die Existenz eines Pentagon-Programms zur Untersuchung unidentifizierter Luftphänomene enthüllten.
In den folgenden Jahren wurden zusätzliche Informationen verfügbar durch:
- Dokumente der Defense Intelligence Agency.
- Aussagen vor dem Kongress.
- Interviews mit ehemaligen Programmmitarbeitern.
- Veröffentlichungen nach dem Freedom of Information Act (FOIA).
Diese Offenlegungen erweiterten das öffentliche Verständnis der Ziele und Aktivitäten des Programms erheblich.
Historische Bedeutung
AAWSAP markierte die Rückkehr eines organisierten Interesses der US-Regierung an unidentifizierten Luftphänomenen nach fast vier Jahrzehnten ohne öffentlich anerkannten Nachfolger von Project Blue Book.
Zu seiner Bedeutung gehören:
- Wiederaufnahme einer formellen staatlichen Untersuchung UAP-bezogener Informationen.
- Untersuchung möglicher Auswirkungen ungeklärter Luftphänomene auf die nationale Sicherheit.
- Erstellung umfangreicher technischer Forschung zu fortschrittlichen Luft- und Raumfahrtkonzepten.
- Schaffung der Grundlagen für spätere Programme, darunter AATIP, die UAP Task Force (UAPTF) und AARO.
- Beitrag zur erneuerten Aufsicht des Kongresses über UAP-Untersuchungen in den 2020er Jahren.
Obwohl ein Großteil der Arbeit von AAWSAP weiterhin geheim oder nur teilweise dokumentiert ist, gilt das Programm weithin als Ausgangspunkt des erneuten Engagements der modernen US-Regierung in der UAP-Frage.
Quellen
- U.S. Defense Intelligence Agency (historical records)
- The New York Times - Glowing Auras and "Black Money": The Pentagon's Mysterious U.F.O. Program (16 December 2017)
- Defense Technical Information Center (DTIC)
- Wikipedia - Advanced Aerospace Weapon System Applications Program
- All-domain Anomaly Resolution Office (AARO)