Überblick
Im Jahr 2015 nahmen Piloten der U.S. Navy, die vom Flugzeugträger USS Theodore Roosevelt aus operierten, zwei Infrarotvideos auf, die später unter den Bezeichnungen GIMBAL und GOFAST bekannt wurden. Die Aufnahmen entstanden bei Trainingsoperationen vor der Ostküste der Vereinigten Staaten. Zusammen mit dem früheren FLIR1 (Tic Tac)-Video aus dem Jahr 2004 wurden diese Aufnahmen zu einem der am umfassendsten analysierten militärischen UAP-Bildmaterialien, die je veröffentlicht wurden.
Obwohl die Videos mehrere Jahre geheim eingestuft blieben, gelangten sie im Jahr 2017 an die Öffentlichkeit und wurden offiziell authentifiziert und veröffentlicht durch das U.S. Department of Defense (DoD) im Jahr 2020. Das Department bestätigte, dass das Bildmaterial von Flugzeugen der U.S. Navy aufgenommen worden war und die dargestellten Objekte weiterhin nicht identifiziert waren.
Die Aufnahmen wurden zentral für das erneute öffentliche, wissenschaftliche und staatliche Interesse an UAPs.
Hintergrund
Die Videos wurden während der Phase wiederholter Marinebegegnungen an der Ostküste (2014-2016)aufgenommen, als Navy-Piloten häufige Beobachtungen nicht identifizierter Objekte in militärischen Trainingsgebieten meldeten.
Die beteiligten Flugzeuge waren mit dem AN/ASQ-228 Advanced Targeting Forward-Looking Infrared (ATFLIR)-Zielbehälter ausgestattet, einem fortschrittlichen elektrooptischen Zielsystem, das Luftobjekte mittels Infrarotbildgebung erfassen und verfolgen kann.
Die Videos erfassten Sensordaten statt konventioneller visueller Bilder und enthalten Cockpitanzeigen mit Flugkurs, Zielinformationen und Pilotenkommunikation.
Das GIMBAL-Video
Das GIMBAL-Video wurde am 21 January 2015 aufgenommen.
Es zeigt ein Infrarotbild eines nicht identifizierten Objekts, das sich scheinbar oberhalb der Wolkendecke bewegt, während es vom Zielsystem einer F/A-18 Super Hornet.
Während der Aufnahme ist zu hören, wie Navy-Besatzungsmitglieder ihre Überraschung über das scheinbare Verhalten des Objekts äußern. Ein Pilot bemerkt eine scheinbar gemeinsam operierende Gruppe von Objekten.
Das Video ist besonders bekannt, weil sich das Objekt scheinbar dreht, während es seine Vorwärtsbewegung beibehält.
Für diese scheinbare Rotation wurden mehrere Erklärungen vorgeschlagen, darunter die Möglichkeit, dass sie aus Optik und Mechanik des ATFLIR-Zielbehälters resultierte und nicht aus einer Bewegung des Objekts selbst. Diese Deutung ist weiterhin Gegenstand technischer Diskussionen.
Das GOFAST-Video
Das GOFAST-Video wurde kurz darauf bei einer weiteren Trainingsmission aufgenommen.
Es zeigt ein Infrarotziel, das sich in geringer Höhe über dem Ozean bewegt und von einer F/A-18 verfolgt wird.
Die Cockpit-Audioaufnahme hält fest, wie Piloten über die Geschwindigkeit des Objekts sprechen und versuchen, seine Bewegung relativ zur Meeresoberfläche abzuschätzen.
Spätere Analysen legen nahe, dass sich das Objekt unter Berücksichtigung von Faktoren wie Beobachtungswinkel und Flugzeugbewegung möglicherweise langsamer bewegte als zunächst wahrgenommen.
Das Department of Defense klassifiziert das Objekt dennoch weiterhin als nicht identifiziert, da die verfügbaren Daten seine Identität nicht abschließend feststellen.
Offizielle Veröffentlichung
Im Jahr 2017 wurden die Videos von To The Stars Academy of Arts and Science veröffentlicht und in der Berichterstattung von The New York Times aufgegriffen; diese machte auch die Existenz des Advanced Aerospace Threat Identification Program (AATIP) bekannt.
Nach mehreren Jahren öffentlicher Diskussion veröffentlichte das Department of Defense die Videos offiziell am 27 April 2020 und erklärte:
- Die Aufnahmen waren authentisches Bildmaterial der U.S. Navy.
- Die gezeigten Objekte waren nicht formell identifiziert worden.
- Die Veröffentlichung sollte Missverständnisse hinsichtlich der Echtheit der Videos ausräumen.
Das Department gelangte nicht zu dem Schluss, dass die Objekte außerirdische Technologie oder einen bestimmten Luftfahrzeugtyp darstellten.
Historische Bedeutung
Die GIMBAL- und GOFAST-Videos wurden zu prägenden Belegstücken der modernen Ära der UAP-Untersuchung.
Zu ihrer Bedeutung gehören:
- Offizielle Authentifizierung durch das U.S. Department of Defense.
- Aufzeichnung mit fortschrittlichen militärischen Sensorsystemen.
- Verbindung mit wiederholten Berichten von Militärpiloten.
- Erneutes öffentliches und parlamentarisches Interesse an UAPs.
- Einfluss auf die Einrichtung späterer Untersuchungsstellen, darunter das UAP Task Force (UAPTF) und All-domain Anomaly Resolution Office (AARO).
Die Videos lösten außerdem umfangreiche wissenschaftliche und technische Analysen zu Infrarotbildgebung, Flugzeug-Zielsystemen und der Interpretation militärischer Sensordaten aus.
Heute gehören GIMBAL und GOFAST weiterhin zu den am intensivsten untersuchten öffentlich zugänglichen UAP-Aufnahmen und spielen nach wie vor eine prominente Rolle in Debatten über militärische Flugsicherheit und nationale Sicherheit.